Osteoporose

Definition und Einteilung

Nach WHO wird von einer Osteoporose gesprochen, wenn die Knochendichte an Wirbelsäule, Gesamthüfte oder Vorderarm, gemessen mittels DXA-Technik mehr als 2.5 Standardabweichungen tiefer liegt als diejenige einer gesunden jungen Referenzpopulation gleichen Geschlechts. Grob geschätzt kann davon ausgegangen werden, dass eine Verminderung der Knochendichte um eine Standardabweichung das Frakturrisiko ca. verdoppelt. Durchschnittlich 30 % der postmenopausalen Frauen weisen einen T-Score auf, der tiefer ist als –2.5 und 50 % dieser Frauen haben bereits eine osteoporotische Fraktur erlitten.

T-Score > –1.0normal
T-Score < –1.0, aber > –2.5Osteopenie
T-Score < –2.5Osteoporose
Osteoporose mit FrakturenManifeste Osteoporose


Die Osteoporose kann in eine primäre und sekundäre Form eingeteilt werden:

Primäre Form

  • Postmenopausale Osteoporose
  • Senile Osteoporose
  • Idiopathische Osteoporose des jungen Erwachsenenalters zwischen 20.–50. Lebensjahr
  • Idiopathische juvenile Osteoporose bei Jugendlichen zwischen 8.–15. Lebensjahr


Sekundäre Form

  • Endokrine, gastrointestinale Erkrankungen
  • Knochenmarkserkrankungen
  • Kongenitale/erbliche Erkrankungen
  • Medikamente
  • Chronisch entzündliche Erkrankungen
  • Diverses (Nikotin, Alkohol, Immobilisation)


Epidemiologie und Symptomatik

Die Osteoporose per se ist symptomlos, weshalb oft erst bei einer Fraktur aufgrund eines inadäquaten Traumas daran gedacht und weiter abgeklärt wird. Die Wahrscheinlichkeit, nach dem 50.sten Lebensjahr bis zum Lebensende eine osteoporotische Fraktur zu erleiden („Lebenszeitrisiko“) beträgt in der Schweiz für die Frau ca. 50 %, für den Mann ca. 20 %.

Osteoporotische Frakturen führen zu einer beträchtlichen Morbidität und Mortalität der Betroffenen: Innert einem Jahr nach einer Hüftfraktur sterben rund 20 % der Patienten. 30 % der Betroffenen sind nach einem Jahr noch vollständig pflegebedürftig, 40 % können nicht ohne Hilfsmittel gehen und sogar 80 % haben eine Einschränkung in mindestens einer Aktivität des täglichen Lebens.

Diagnostik

Die diagnostischen Abklärungen der Osteoporose umfassen eine genaue Anamnese, speziell auch bezüglich Risikofaktoren, die klinische Untersuchung, Sturztests, Laborabklärungen und eine Knochendichtemessung sowie evtl. weitere bildgebende Verfahren. 

Bild rechts: Vertebral Fracture Assessment (VFA): Wirbelfraktur BWK 12

Therapie

Risikoabschätzung und Therapieentscheidung
Eine allfällige Therapie beruht auf der Risikoevaluation bezüglich zukünftiger Frakturen. Diese Risikoevaluation ist eine Synthese aus der gemessenen Knochendichte, Risikofaktoren sowie patientenspezifischen Parametern. 

Nicht-medikamentöse Prophylaxe und Therapie
Nicht medikamentöse Massnahmen haben einen wichtigen Stellenwert in der Behandlung der Osteoporose und weiterer Knochenerkrankungen:

  • Sturzprophylaxe: Vermeiden von Stolperfallen (schlechte Beleuchtung, lose Teppiche, schlechtes Schuhwerk etc.) und sturzfördernden Medikamenten (Sedativa, Antihypertensiva etc.)
  • Vermeiden von Noxen: Nikotinabusus, übermässiger Alkoholkonsum
  • Behandlung sturzfördernder Erkrankungen (Gleichgewichtsstörungen, Visusstörungen)
  • Ausgewogene Ernährung:
      • Proteine (1g/kgKG/Tag)
      • Kalzium (1000–1500mg/Tag)
      • Vitamin D, 800–2000 IE/Tag (optimaler Serumspiegel > 30μg/L = > 75mmol/L)
      • Normales, nicht zu tiefes Körpergewicht (BMI > 20kg/m2)
  • Körperliche Aktivität:
      • Physiotherapie/gezielte Osteoporosegymnastik
      • Muskelaufbautraining
      • Gleichgewichtstraining
      • Sportliche Aktivität mit vorwiegend axialer Belastung (Tanzen, Wandern, Laufen)

Medikamentöse Therapie
Aktuell kommen in der Schweiz folgende therapeutische Wirkprinzipien für die Osteoporosetherapie zur Anwendung:

  • Bisphosphonate: Die Bisphosphonate vermindern die Knochenresorption durch Bindung an die Osteoklasten, die dadurch in ihrer Aktivität gehemmt werden. Bisphosphonate haben eine meist sehr lange Verweildauer im Knochen, weshalb die therapeutische Wirkung oft noch Monate über das Absetzen der Substanz hinweg anhält. 
  • RANKL-Inhibitor: Durch Andocken von RANK (Receptor Activator of Nuclear Factor Kappa B) an seinen Ligand RANKL kommt es zur Stimulation der Osteoklastenbildung, -reifung und -aktivität. Der monoklonale Antikörper Denosumab hemmt die Verbindung von RANK mit RANKL und vermindert so die Bildung, Reifung und Aktivität der Osteoklasten.
  • SERMs: SERMs wirken auf die Östrogenrezeptoren teils agonistisch (Knochen, Fettstoffwechsel), teils antagonistisch (Brust) und verhindern so nicht nur den postmenopausalen Knochenverlust, sondern haben zusätzlich einen protektiven Effekt auf die Brustdrüse.
  • Hormonersatztherapie: Die Hormonersatztherapie kann bei peri- und postmenopausalen Frauen diskutiert werden, wenn gleichzeitig perimenopausale therapiebedürftige Beschwerden vorliegen. Als primäre Therapie für Osteoporose wird die Hormonersatztherapie wegen des kleinen Risikos der Karzinomentstehung nicht empfohlen.
  • Teriparatid: Pulsatil verabreichtes Parathormon hat einen anabolen Effekt auf den Knochen. Teriparatid ist als second-line-Therapeutikum bei Versagen einer vorhergehenden antiresorptiven Therapie (Frakturen trotz Therapie) zugelassen.