Die Rolle des Hautmikrobioms in der Entstehung der Hautfibrose der systemischen Sklerose

Die progressive Hautfibrose mit Veränderung des Aussehens und funktionellen Ein­schrän­kun­gen trägt stark zur Krankheitsbelastung von Patienten mit systemischer Skle­rose (SSc) bei.

Neue Forschungsarbeiten haben bedeutende Einblicke in die Rolle der bakteriellen Stand­ort­flo­ra für Gesundheit und Krankheit ermöglicht. Neue Daten legen nahe, dass nicht nur das Darm­mikrobiom, sondern auch das Hautmikrobiom eine wichtige Rolle in verschiedenen Er­kran­kungen spielt. Es konnte gezeigt werden, dass die dermale Standortflora die Ent­wick­lung des (epi-)dermalen Immunsystems und der physikalischen Hautbarriere beeinflusst. Dies legt die Vermutung nahe, dass ein Cross-Talk mit Zellen in tieferen Schichten von Epi­der­mis und Dermis stattfindet, insbesondere, da viele Zelltypen in der Dermis funktionelle „Pattern recognition"-Rezeptoren exprimieren, die aktiv auf die Stimulation mit mikrobiellen Be­standteilen in vitro reagieren. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Basalmembran der Epi­dermis durch Bakterien oder bakterielle Bestandteilen penetriert wird. Eine kürzlich pub­li­zierte Studie lieferte Beweise für eine bislang unbekannte physikalische Interaktion zwischen Stand­ortflora und Zellen der Dermis, da bakterielle Bestandteile durch sämtliche Schichten der Dermis hindurch detektiert werden konnten. 

In unserem Projekt werden wir daher untersuchen, ob das Hautmikrobiom eine direkte Rolle in der Aktivierung des angeborenen Immunsystems spielt und damit zur Entstehung der Haut­fibrose in SSc beiträgt.

Interessanterweise konnte gezeigt werden, dass Myofibroblasten als antigenpräsentierende Zellen agieren, durch bakterielle Produkte oder andere Alarmsignale aktiviert werden können und im aktivieren Zustand ein funktionelles Inflammasom haben. Dies unterstützt eine mög­liche Verbindung zwischen mikrobieller Aktivierung und Fibrose und stellt das bisherige Kon­zept in Frage, dass in SSc die Aktivierung des angeborenen Immunsystems ausschliesslich durch endogene Liganden als Folge einer Gewebsschädigung erfolgt. Zudem könnte Durch­brechung der physikalischen Hautbarriere von Händen und Vorderarmen, wo die Haut trocken und mechanischem Stress ausgesetzt ist, eventuell sogar das zentripetale Aus­brei­tungs­­muster der Hautfibrose in SSc erklären.

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Quelle: Grice EA, et al. Nature Reviews Microbiology 2011; 9:244-253.